Der Virchow-Preis wird am 10. Oktober in Berlin verliehen

Jean-Jacques Muyembe-Tamfum und Peter Piot erhalten den mit 500.000 Euro dotierten Virchow-Preis 2026 – internationale Auszeichnung für wegweisende Ebola-Forschung und globales Gesundheitsengagement
Berlin steht im Oktober im Zeichen der Globalen Gesundheit: Am 10. Oktober 2026 wird der Virchow-Preis im Roten Rathaus verliehen. Die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte internationale Auszeichnung, ist eine der höchstdotierten ihrer Art und geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den kongolesischen Wissenschaftler Jean-Jacques Muyembe-Tamfum und den belgischen Wissenschaftler Peter Piot. Beide werden für ihre wegweisenden Beiträge zur Erforschung und Bekämpfung von Epidemien sowie für ihr langjähriges Engagement für internationale Zusammenarbeit im Bereich der Globalen Gesundheit geehrt.
Die beiden Preisträger verbindet insbesondere ihre Arbeit zur Entdeckung und Bekämpfung des Ebola-Virus. 1976, beim ersten bekannten Ebola-Ausbruch im damaligen Zaire, heute Demokratische Republik Kongo, war Muyembe-Tamfum an den Untersuchungen vor Ort beteiligt. Peter Piot arbeitete damals in Belgien an der Analyse der aus dem Ausbruchsgebiet stammenden Proben. Ihre Arbeit trug maßgeblich dazu bei, das bis dahin unbekannte Virus zu identifizieren und die Grundlage für die Therapie von Ebola zu schaffen.
2026 jährt sich das Auftreten von Ebola zum 50. Mal
Die Auszeichnung für Muyembe-Tamfum und Piot fällt damit in ein Jahr, in dem das Thema Ebola zugleich wieder ganz aktuell ist. Über 3.400 Tote sind in der jetzigen Epidemie bereits zu beklagen. Im Mai dieses Jahres wurde ein US-amerikanischer Arzt, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert hatte, in der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelt. Nach gut zwei Wochen konnte er die Berliner Universitätsklinik in gutem Gesundheitszustand verlassen; das Virus war bei ihm nicht mehr nachweisbar. Der Fall unterstreicht die besondere medizinische und wissenschaftliche Expertise Berlins: Die Charité verfügt über Deutschlands größte Sonderisolierstation für hochinfektiöse und lebensbedrohliche Erkrankungen. Die Einrichtung verbindet spezialisierte Infektiologie und Intensivmedizin und ist unter anderem auf die Behandlung von Ebola, Lassa- und Marburg-Fieber spezialisiert.
Damit schließt sich in Berlin ein bemerkenswerter Bogen: 50 Jahre nach dem ersten Ebola-Ausbruch und der wissenschaftlichen Arbeit von Jean-Jacques Muyembe-Tamfum und Peter Piot wurde 2026 erneut ein an Ebola erkrankter Patient erfolgreich in Berlin behandelt. Die Verbindung von Forschung, medizinischer Spitzenversorgung und internationaler Zusammenarbeit macht Berlin zu einem wichtigen Standort für die Globale Gesundheit.
Berlin als internationaler Treffpunkt für Wissenschaft und globale Gesundheit
Die Verleihung des Virchow-Preises im Roten Rathaus rückt Berlin zugleich als internationalen Wissenschafts- und Global-Health-Standort in den Mittelpunkt. Zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen, Kliniken und internationale Organisationen arbeiten hier an den gesundheitlichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft.
Die Preisverleihung findet zudem in einer für die internationale Gesundheitscommunity besonders wichtigen Berliner Woche statt: Direkt im Anschluss an die Verleihung des Virchow-Preises findet der dreitägige World Health Summit in Berlin statt, der über 4.000 Expert:innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus aller Welt zusammenbringt. Berlin wird damit im Oktober für mehrere Tage zu einem zentralen Ort des internationalen Austauschs über Globale Gesundheit, Epidemieprävention und die Vorbereitung auf künftige Gesundheitskrisen.
Professor Christoph Markschies, Mitgründer und Präsident der Virchow Foundation:
„Schon Rudolf Virchow hat erkannt, dass Bildung eine der effektivsten Möglichkeiten ist, gesund zu bleiben und nicht krank zu werden. Gesund bleiben wir durch Vorsorge und medizinische Behandlung – und also durch Wissen: Wer etwas über Gesundheit, Körper und Geist weiß, versteht aber auch die größeren Zusammenhänge und kann sich nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch das Wohlergehen anderer Menschen kümmern. Von Familie und Nachbarschaft bis hin zur Globalen Gesundheit. Diese Erkenntnis Virchows ist heute aktueller denn je: Wer in Bildung investiert, investiert zugleich in Prävention, Gesundheit für alle und damit in eine gute Zukunft unserer Gesellschaft.“
Professor Detlev Ganten, Mitgründer und Kuratoriumsmitglied der Virchow Foundation ergänzt:
„Gesundheit ist viel mehr als Medizin. Die beiden Preisträger Muyembe und Piot sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass die umfassende Fürsorge vor Ort bei den betroffenen Personen aber auch der Schutz der Bevölkerung genauso wichtig ist, wie die internationale Solidarität und die Hilfe funktionierender internationaler Organisationen wie die Weltgesundheits Organisation (WHO). Die Zusammenarbeit von allen gemeinsam verhindert Pandemien und rettet Millionen Menschen das Leben – in allen Ländern, auch bei uns. Merci Jean Jacques and Thank you Peter!!“
Zwei Wissenschaftler, die globale Gesundheitsgeschichte geprägt haben
Jean-Jacques Muyembe-Tamfum hat über Jahrzehnte Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo untersucht und dort wissenschaftliche und medizinische Strukturen zur Erkennung und Bekämpfung von Epidemien aufgebaut. Er war maßgeblich an der Erforschung von Ebola beteiligt und ist Mitentwickler des monoklonalen Antikörpers mAb114, einer zugelassenen Behandlung gegen Ebola.
Peter Piot hat neben der Forschung besonders auch seine Erfahrungen aus der Ebola-Forschung in die internationale Gesundheitspolitik eingebracht. Er ist zudem Gründungsdirektor von UNAIDS, das offizielle Programm der Vereinten Nationen, das den weltweiten Kampf gegen HIV/AIDS steuert und koordiniert. Und auch in anderen internationalen Funktionen prägte er die globale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Gesundheitskrisen.
Mit der gemeinsamen Auszeichnung würdigt der Virchow-Preis damit nicht nur zwei herausragende Wissenschaftler, sondern auch deren Bedeutung für die internationalen Zusammenarbeit und die holistische Sicht auf Gesundheit und Krankheit. Ihre Lebenswerke stehen für die Erkenntnis, dass die Bewältigung globaler Gesundheitskrisen wissenschaftliche Exzellenz ebenso voraussetzt wie starke Gesundheitssysteme, weltweite Kooperation sowie langfristige Prävention und Resilienzschaffung.
Der Virchow-Preis wird jährlich von der gemeinnützigen Virchow Foundation vergeben und zeichnet herausragende Beiträge zur Verbesserung der Globalen Gesundheit aus. Die Virchow Foundation wurde 2021 anlässlich des 200. Geburtstags von Rudolf Virchow gegründet.
Die festliche Preisverleihung im Roten Rathaus Berlin am Samstag, 10. Oktober 2026, bei der rund 300 internationale Gäste aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft erwartet werden, wird in Kooperation mit der Kulturprojekte Berlin GmbH ausgerichtet.
Die beiden Preisträger stehen für Interviews zur Verfügung. Falls Sie Interessen an einem Interview haben oder als Medienvertreter:in an der Preisverleihung teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte an unter mail@steinbrennermueller.de












